Schöner Erfolg für junge Geschichtenerzähler

Kinder der Waldschule und der Erich Kästner-Schule präsentieren Geschichten aus ihrer Heimat und erzählen über ihre Herkunft in einem Lesefestival am 29.5.2015 in der Aula der Erich Kästner-Schule

Aufgeregt und zum Teil in Landestracht - so versammelten sich 20 Kinder der Waldschule Bochum und 20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 6 der EKS am 29.5.2015 um 14.00 Uhr in der Aula der Gesamtschule an der Markstraße. Seit Beginn des Schuljahrs hatten sie in Kreativworkshops Bekanntschaft mit der Kunst des Erzählens gemacht und in regelmäßig stattfinden Schreibwerkstätten gelernt, ihre Erlebnisse und Ideen in einen Text zu verwandeln. Dabei war die Wahl des Themas in gewisser Weise bereits vorgegeben: Mit "Höre meine Geschichte" ging es darum, dass alle Kinder durch Interviews mit Eltern und Verwandten herausbekommen sollten, woher kommt meine Familie? wie haben wir gelebt? warum sind wir in Deutschland und in Bochum? seit wann leben wir hier? und was ist mir wichtig?

Es sind viele spannende - und auch sehr berührende - Geschichten entstanden, welche die Kinder engagiert und mit Stolz vortrugen. Ergänzt wurde so manche Erfahrung durch Recherchen über das Heimatland, über seine Küche und wichtige Feste, die aus der Heimat mit ins Exil genommen wurden. Stolze Eltern und zufriedene Lehrerinnen und Lehrer lauschten dem Vortrag, der eine bunte Mischung aus aller Herren Länder präsentierte, sehr persönlich gefärbt. Kurzum: es war ein Erlebnis, so junge Autoren zu erleben, die sich mit überraschendem Selbstbewusstsein in Szene zu setzen wussten.

Wichtige Stationen im Rahmen des Projektjahrs waren die Bekanntschaft mit einer "echten Geschichtenerzählerin" (Selma Scheele), die durch Inhalte und Vortragskunst faszinierte, sowie die Lesestunde mit einer erfahrenen und bekannten Bochumer Autorin ( Brigitte Werner ), die den Projektteilnehmern in der Stadtbibliothek eine besondere Lesestunde bereitete.

Hintergrund des Projekts waren Überlegungen, die den Kindern mit den Mitteln von Storytelling Hilfen bieten sollten, sich ihrer eigenen Identität bewusst zu werden und darüber in der Gegenwart anzukommen. Schon immer haben Menschen Geschichten und Tagebücher geschrieben, um das Erlebnis einer personalen Einzigartigkeit von innen nach außen zu bringen. Mit Storytelling an zwei Bochumer Schulen, der „Erich Kästner Schule“ und der „Waldschule“, werden Kinder mit Migrationshintergrund in Workshops und Schreibwerkstätten angeleitet, sich mit der Geschichte ihrer Familie und Herkunft auseinanderzusetzen. Diese Geschichten sind Beispiele, die anderen Menschen Bedeutung und Erkenntnis geben können. Die persönliche Betroffenheit, die bei "Höre meine Geschichte" entsteht, wird sich vom Erzähler auf die Zuhörerschaft übertragen. Dadurch inszenieren sich wichtige soziale Prozesse und Erfahrungen. Wer schreibt - der bleibt. Bei sich und bei anderen. Jeder Mensch kann ein Geschichtenerzähler sein und die dazu nötigen sprachlichen und sozialen Kompetenzen erwerben.

Das Programm läuft insgesamt über zwei Jahre mit je 20 Kindern an der Gesamtschule in Jahrgangsstufe 6 und an der Grundschule in Jahrgangsstufe 3 bzw. 4. Neben der Anleitung zur Recherche und Entwicklung von Texten mit Hilfe verschiedener partizipativer Methoden steht im Zentrum die Kreisarbeit (circle way), die ideal geeignet ist, Potenziale zu wecken, Vertrauen aufzubauen und die Wahrnehmung zu stärken. Während des Prozesses lernen die Kinder erfolgreiche AutorInnen kennen oder besuchen ein Literaturfestival. Als Abschluss gestalten sie ein Lesefestival mit einer Ausstellung ihrer Bilder und Grafiken, die zusätzlich zu den Geschichten entstanden sind. Dieses Festival bildet den Höhepunkt und Abschluss des Projekts.

Eine Fotogalerie gibt`s bei flickr.

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF.